„Hinnerbäcker“ – der aus der „Hintergasse“ im Bad Nauheimer Stadtteil Steinfurth abgeleitete Name steht für Regionalität ebenso wie für Backwaren, die seit 1854 nach alter Tradition liebevoll hergestellt werden. Bei einem Besuch im Firmensitz im Berstädter Gewerbegebiet, wo die wachsende Bäckerei 1998 die benötigten Erweiterungsmöglichkeiten fand, konnte sich CDU-Bundestagskandidat Armin Häuser ein Bild von modernen Produktionsmethoden machen und erfuhr vom Richtung Handwerkskammer geäußerten Wunsch, zusätzlich zur dreijährigen Lehre niedrigschwelligere Ausbildungsangebote zu entwickeln und zuzulassen. Empfangen wurden Häuser, Landrat Jan Weckler, Wölfersheims CDU-Vorsitzender Manfred Stoll und Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Grenzebach von den Gesellschaftern Jens Steinhauer, Kai Steinhauer und Svenja Brandis sowie deren Beratern Zarir Buhariwalla und Erhard Walter.

Nachmittags ist die große Backstube leer. Keine Backstraße findet sich hier, wie in der Backindustrie üblich, aber Knet- und Portioniermaschinen von beachtlichen Umfängen und mehrere entsprechend dimensionierte Öfen, die teilweise – um die Mitarbeiter von Hitze und Schwerarbeit zu entlasten – maschinell mit Blechen bestückt werden.

70.000 Brötchen werden täglich in Berstadt produziert, nach einem computergesteuerten Bestellsystem für die inzwischen mehr als 70 regionalen Filialen konfektioniert und ausgeliefert. Zusätzlich werden einige Produkte auch in den Filialen sorgfältig vorbereitet und mehrmals täglich vor Ort frisch gebacken. Allein von dem beliebten „Siggi’s Weck“ gehen täglich 20.000 Stück über die Ladentheke. Jahrzehntelange Erfahrung und elektronische Unterstützung bedingen eine vergleichsweise niedrige Überschussquote von acht Prozent, über die sich dann die Wetterauer Tafeln freuen.

Beim Rundgang durch die Backstube erläuterte Jens Steinhauer die ausgefeilten Produktionsabläufe, zu denen unter anderem das Prinzip gehört, aus einem handwerklich hergestellten Typ Teigrohling möglichst viele unterschiedliche Endprodukte zu fertigen. Vorbereitet hatte der Bäckermeister eine Probe aufs Praxistauglichkeitsexempel: Unter Anleitung mussten Häuser und Weckler vorgeformte Brötchen unfallfrei aufs Blech stürzen. Häuser durfte per Knopfdruck dann den Wasserdampf zuschalten, der während des Backens die Brötchen aufgehen lässt und für eine appetitlich braune Kruste sorgt.

Svenja Brandis nutzte die Gelegenheit, auf ein Thema hinzuweisen, das angesichts des vielfach beklagten Fachkräftemangels zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie bat um Unterstützung für ihren Vorschlag, zusätzlich zur regulären dreijährigen Lehre, deren theoretische Anforderungen manche praktisch außerordentlich anstellige Jugendlichen überfordere, eine Gehilfenprüfung einzuführen, um jungen Leuten nach einjähriger Ausbildung einen Qualifikationsnachweis zu verschaffen.

„Wer nach dreijähriger Ausbildung zweimal durch die Gesellenprüfung fällt, hat gar nichts in der Hand. Wir brauchen aber auch Leute, die praktisch Hand anlegen können – und für manche von denen wäre eine Gehilfenprüfung eine gute Lösung“, wandte sie sich an Armin Häuser. Der versprach, das Anliegen an geeigneter Stelle vorzubringen: „Menschen mit vorwiegend praktischen bzw. handwerklichen Begabungen oder mit vielleicht nicht ganz so perfekten Sprachkenntnissen in unsere moderne Arbeitswelt sinnvoll zu integrieren, ist eine Aufgabe, der wir uns künftig mit noch mehr Nachdruck und vielleicht auch noch mehr Phantasie und Flexibilität stellen müssen“, betonte Häuser.

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