Als „beispielhaften Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und gegen die Wegwerfmentalität“ hat CDU-Bundestagskandidat Armin Häuser das Secondhand-Kaufhaus Bad Nauheim gewürdigt. Er hob dabei insbesondere die soziale Komponente des Projekts hervor, das im Januar 2018 durch Interkulturelle Kompetenz und Integration (IKI) e.V. im großen Saal des ehemaligen Sportheims gestartet worden war. Gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Kreß informierte sich Häuser bei der IKI-Vorsitzenden Hedwig Rohde über Entwicklung und Perspektiven der ehrenamtlich betriebenen Einrichtung. Die finanziert mit den Verkaufserlösen zudem ein weiteres soziales Projekt, eine kombinierte Hausaufgaben- und Nachhilfe für Schüler/innen mit Migrationshintergrund.

Von seiner Gründung aus der Flüchtlingsarbeit heraus bis zu seiner breiten Akzeptanz als Warenbörse für gut erhaltene Haushaltsgegenstände habe das Secondhand-Kaufhaus zwar nicht zeitlich, aber inhaltlich einen langen Weg zurückgelegt, betonte Hedwig Rohde: „Wir alle waren in keiner Weise auf das gefasst, was kam, weder auf die Qualität noch auf die Quantität der Spenden, und auch nicht auf die Dankbarkeit so vieler Menschen dafür, dass sie uns die schönsten Porzellanservices, Bettwäschesets und Haushaltsgerätschaften schenken dürfen, statt sie wegwerfen zu müssen.“

Für den täglichen Alltag notwendige Gegenstände werden gegen Minimalbeträge abgegeben; so kosten ein Teller, ein Glas oder ein Besteckteil nach wie vor jeweils 10 Cent. „Für komplette Ess-Services bekannter Marken und in gutem Erhaltungszustand ist natürlich etwas mehr zu bezahlen, denn diese werten wir doch eher als Luxusgegenstände“, betonte Rohde. Wöchentlich setzt das Secondhand-Kaufhaus, das nach fünfmonatiger Schließung Ende Mai wieder öffnete, nach ihren Angaben „mehrere Kubikmeter an Waren“ um, „alles Dinge, die ansonsten mangels Platz und Bedarf im Müll gelandet wären“. Bewährt hat sich aus ihrer Sicht das Konzept, ein Secondhand-Kaufhaus zu etablieren, in dem grundsätzlich jede*r einkaufen kann. „Insbesondere die Aktion ‚Fridays for Future‘ hat uns einen Riesenschub gegeben. Es kaufen bei uns immer mehr Menschen, denen es nicht ums Geld geht, sondern die einfach das Prinzip der Weiterverwendung gut erhaltener Gegenstände gut finden“, erläuterte Hedwig Rohde.

Ein Team von über 20 Helfer*innen, von denen in der Regel zu den Öffnungszeiten sechs bis zehn anwesend sind, sichtet und sortiert zur Annahme der Spenden jeweils mittwochs die abgegebenen Gegenstände und überwacht zu den Verkaufszeiten donnerstags und samstags den ordnungsgemäßen Ablauf. Wöchentlich fallen dabei mindestens 50 Arbeitsstunden an, die vollständig ehrenamtlich geleistet werden.

Im ehemaligen Sportheim stellt die Stadt Bad Nauheim dem zukunftsweisenden Projekt derzeit etwa 200 Quadratmeter Fläche kostenfrei zur Verfügung. Allerdings ist der Verbleib des Secondhand-Kaufhauses dort begrenzt, weil die Bad Nauheimer Wohnungsbau-Gesellschaft als Eigentümerin voraussichtlich im kommenden Jahr an dieser Stelle Wohnungen errichten will.

Bürgermeister Klaus Kreß bekräftigte anlässlich des Besuchs seine Absicht, in Bad Nauheim ein „Nachhaltigkeitszentrum“ zu etablieren und dort auch für das Secondhand-Kaufhaus neuen Raum zu schaffen. „Kampf gegen den Klimawandel und Nachhaltigkeit gehören zusammen, und die Schonung von Ressourcen ist untrennbar mit einer Abkehr von der lange vorherrschenden Wegwerfmentalität verbunden“, betonte er. Der offensichtliche Erfolg des Secondhand-Kaufhauses gründe auch darauf, dass immer mehr Menschen sich wieder auf die Haltung ihrer Großeltern besännen, die gewohnt gewesen seien, sparsam und damit nachhaltig zu wirtschaften.

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