Die Wetterauer Kreiskoalition aus CDU und SPD hat in der vergangenen Sitzung des Kreistages einen Antrag zur Umsetzung der Istanbul-Konvention im Wetteraukreis auf den Weg gebracht. Die Istanbul-Konvention ist ein internationales Übereinkommen im Rahmen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, das im Februar 2018 in Deutschland in Kraft getreten ist.

„Die Umsetzung der Konvention ist seitdem für die Länder und die Kommunen verpflichtend. Für uns ist sie aber mehr als das: Die Umsetzung ist uns eine Herzensangelegenheit, weil wir so viele Frauen und Kinder wie möglich vor Gewalt schützen und ihnen im Notfall helfen wollen. Dazu werden wir nun nach gut zwei Jahren seit dem Inkrafttreten der Konvention eine Bestandsaufnahme des Erreichten im Wetteraukreis machen und schauen, wo wir noch weitere Maßnahmen ergreifen müssen. Wir brauchen ein Gesamtkonzept mit personell gut ausgestatteten Beratungsstellen und Frauennotrufen und ausreichenden Plätzen im Frauenhaus“, so die Wetterauer SPD-Vorsitzende und Kreistagsabgeordnete Lisa Gnadl. Dabei seien sich die Koalitionsfraktionen aus CDU und SPD sehr bewusst, dass es im Wetteraukreis bereits ein gutes Hilfssystem dank der engagierten Mitarbeiterinnen im Frauenhaus, Frauennotruf und den Beratungsstellen gibt, das der Wetteraukreis bereits seit Jahrzehnten auch finanziell unterstütze. Durch die Istanbul-Konvention seien aber weitere Themen benannt worden, die noch nicht in Gänze umgesetzt seien.

In Hessen seien im Jahr 2018 offiziell 6402 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt geworden, so Gnadl. Die SPD-Abgeordnete rechnet durch die Corona-Krise auch hier mit steigenden Fallzahlen, da die Einschränkungen des sozialen Lebens außerhalb des eigenen Haushaltes und die Belastungen durch Kurzarbeit und Existenzängste das Aggressions- und Gewaltpotential in einigen Familien ansteigen lasse.

„Wir als Kreiskoalition bekennen uns zu den Zielen der Konvention sowie zu unserer Verpflichtung, im Rahmen unserer Zuständigkeiten häusliche und geschlechtsbezogene Gewalt zu bekämpfen, Prävention zu leisten und den Opfern zur Seite zu stehen. Das bedeutet für uns auch, im nächsten Kreishaushalt entsprechende Mittel einzustellen, um die Maßnahmen zu finanzieren, die auf dem Weg zur vollständigen Umsetzung des Schutzkonzeptes noch ausstehen. Jede Gewalttat gegen Frauen ist ein Verstoß gegen Menschenrechte und ein Verbrechen. Und nichts auf der Welt rechtfertigt es, die Rechte von Frauen einzuschränken, sie zu missachten oder gar Gewalt gegen Frauen anzuwenden“, so CDU-Kreistagsabgeordnete Beatrice Schenk-Motzko.

Die Kreistagskoalition stellt sich somit gegen jedwede Form von Gewalt an Frauen und arbeitet gemeinsam daran, eine ganzheitliche Antwort auf Gewalt gegen Frauen im Wetteraukreis geben zu können.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag