30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges müssen die staatlichen Stellen den Katastrophenschutz wieder verstärkt in den Fokus nehmen. Diese Forderung erhob Oliver Pitsch, hauptamtliches Vorstandsmitglied der Regionalverbandes Rhein-Main der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), in einem Gespräch mit CDU-Bundestagskandidat Armin Häuser. Zu dem Termin im JUH-Stützpunkt Bad Nauheim, der demnächst baulich erweitert wird, wurde Häuser von Annette Wetekam, Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Bad Nauheim, begleitet. Neben Oliver Pitsch nahmen Dienststellenleiter Sascha Richter und der Sachgebietsleiter Controlling/Rettungsdienst, Benjamin Nentwich, an der regen Diskussion teil.

Auch Kräfte des JUH-Regionalverbandes waren vor wenigen Wochen ins Ahrtal und weitere Hochwassergebiete entsandt worden. Sie erlebten dort neben vielen positiven Aspekten auch Schwächen in der Koordination der vielen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Sascha Richter sah eine der Ursachen dieser Schwächen in den föderalen Strukturen, die das gemeinsame Agieren unterschiedlicher Behörden erschwerten. „Wenn es um Katastrophen geht, brauchen wir klare Strukturen und ja, auch klare Hierarchien“, betonte er.

Nach dem Ende des Kalten Krieges sei der Katastrophenschutz in die zweite Reihe der Prioritäten gerückt: „Wir alle haben gedacht: Kalter Krieg vorbei, keine Katastrophen zu befürchten.“ Durch den Klimawandel mit den auch in Mitteleuropa sich häufenden Extremwetterlagen habe sich diese vermeintliche Sicherheit allerdings in Luft aufgelöst. Deshalb sei es geboten, als Konsequenz aus den verheerenden Juli-Hochwassern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bundesweit die Organisation des Katastrophenschutzes effizienter auszubauen, gegebenenfalls neue Hierarchiestrukturen zu implementieren und die Geräteausstattung anzupassen: „Im Ahrtal kamen wir großteils nur mit Allradantrieb voran – darauf ist Katastrophenschutz nicht generell vorbereitet. Und E-Mobilität hilft bei Hochwasser auch nicht weiter, darüber müssen wir nachdenken“, so Pitsch. Armin Häuser nahm die Anregungen und Positionen aufmerksam entgegen und versprach, sie an die zuständigen Stellen weiterzuleiten.

Pitsch stellte Häuser und Wetekam des Weiteren konkrete Handlungsempfehlungen vor, welche die Johanniter anlässlich des Bundestagswahlkampfes zu elf Themenbereichen formuliert haben. Sie fordern: eine Reform der Notfallversorgung und mehr Kompetenzen für Rettungssanitäter; einen starken Bevölkerungsschutz durch enge Zusammenarbeit aller Ebenen und Hilfsorganisationen; die Förderung des Ehrenamtes durch stärkere Anerkennung, die Gleichstellung aller Helfenden im Einsatz sowie Mittel zur Helfergewinnung; eine frühzeitige und regelmäßige Erste-Hilfe-Ausbildung, Anerkennung hybrider Ausbildungsformen und die sichere Finanzierung einer neuen Pflegehilfskräfte-Ausbildung; den Ausbau von Ganztagsangeboten sowie mehr Aus- und Fortbildungsangebote für Fachkräfte, auch im medienpädagogischen Bereich, und eine der Ausbildung angemessene Vergütung; eine stärkere Unterstützung der Jugendverbandsarbeit; eine nachhaltige und generationengerechte Reform der Pflege, den Abbau von Sektorgrenzen, bessere Arbeitsbedingungen und eine Stärkung der Berufsautonomie; einen verbesserten Zugang zu Hausnotrufdiensten; die Schärfung humanitärer Hilfe mit Blick auf den Klimawandel; eine angemessene Unterbringung von Geflüchteten in Deutschland sowie einen frühzeitigen Zugang zu Bildung und dem Arbeitsmarkt; die Konkretisierung gesetzlicher Rahmenbedingungen für Vereine.

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