Nur einmal wurde am Samstagmorgen gebuht, und das auch nur spaßeshalber: Der Ober-Mörlener Bürgermeisterkandidat Dr. Mathias Heil gab die Einschätzung ab, seine heimische CDU-Fraktion sei »dank Jan Weckler die bestgeführte im Kreis«. Da meldeten noch andere Fraktionen Ansprüche an, aber vielleicht stimmt das sogar. Ungeteilte Zustimmung erntete Heil mit der Einschätzung, Weckler werde »alle Stimmen im Saal« erhalten. So kam es dann auch: Alle 182 Delegierten des CDU-Parteitags in der Adolf-Reichwein-Halle stimmten für den Ersten Kreisbeigeordneten. Der war »sprachlos«, »echt geplättet« und versprach, sich bis März »in den Wahlkampf zu stürzen«.

Mit Weckler rechnet sich die CDU gute Chancen aus, die Wahl zu gewinnen. Gefragt, wie der letzte CDU-Landrat in der Wetterau hieß, mussten die Delegierten erst mal scharf nachdenken: Sigurd Beyer, 1984/85, lang ist’s her. »Weckler ist ein Glücksgriff«, hieß es bei der Jungen Union. Er sei »sympathisch«, habe »große Sachkenntnisse«, gehe offen auf seine Mitbürger zu und »kann andere von seinen Ideen überzeugen«, äußerten Delegierte.

Auch die Kreisvorsitzende Lucia Puttrich war voll des Lobes. »Als Erster Kreisbeigeordneter macht Jan Weckler einen unglaublich guten Job, seine Präsenz ist spitzenmäßig.« An dieser Stelle, so hat es Weckler nachher erzählt, soll ihn seine Frau Christine unterm Tisch getreten haben. Wegen der nicht ganz so spitzenmäßigen Präsenz Zuhause. War aber wohl nur ein Scherz. Aber das passte zu einem Parteitag, der sich wohltuend von zurückliegenden, etwas drögeren Veranstaltungen abhob.

Eine »völlig unverkrampfte Art« bescheinigte Puttrich dem CDU-Kandidaten, und dabei sei er doch »ein echter Christdemokrat, ein Konservativer, der das Gute von früher weiterentwickelt«. Durch sein christliches Weltbild sei er »einer, auf den man sich verlassen kann«, einer der nicht nur verwalte, sondern auch gestalte. Durch seinen beruflichen Werdegang als Mitarbeiter der Hessischen Staatskanzlei und des Kultusministeriums, als Amtsleiter des Staatlichen Schulamtes in Frankfurt und nun als Hauptamtlicher in der Kreisregierung sei er zudem gut vernetzt. »Er kann motivieren und unterschiedliche Interessen zusammenführen.«

Puttrich sprach eine knappe halbe Stunde, Weckler machte es nur ein klein wenig länger, dafür umso prägnanter: Er habe in sechs verschiedenen Verwaltungen gearbeitet, oft in Leitungsfunktionen. Als Gymnasiallehrer und Leitender Schulamtsdirektor sei er Fachmann in Sachen Bildung. »Und Bildung ist die Zukunftsaufgabe schlechthin.« Außerdem sei er seit 30 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Dabei habe er feststellen dürfen: »Das demokratische Ringen um den richtigen Weg ist sehr erfüllend.«

Weckler riss wichtigsten Themen an

Kurz riss Weckler die wichtigsten kommunalpolitischen Themen an: Familie, Schule, Landwirtschaft, Klimaschutz, Tourismus, Ausbau der Infrastruktur. Die Bildung, die Weckler als »präventive Sozialpolitik« betrachtet, will er als Landrat zur Chefsache machen. In der Landwirtschaft stehe er »für ein gleichwertiges Miteinander« von herkömmlichem und biologischem Landbau, er warnte aber vor zu großem Flächenverbrauch durch den Bauboom. Im Klimaschutz will er »weniger Papierkram und mehr praxistaugliches Handeln«. Das »Wetterauer Bäderdreieck« Bad Nauheim, Bad Vilbel und Bad Salzhausen will er ausbauen und die boomende Wirtschaft am Laufen halten.

Die CDU verzichtete auf jegliche Show-Elemente, der Parteitag ging zügig über die Bühne, ohne Konfetti-Regen und anderes Brimborium. Eine nette Geste hatten sich die Ortsvereine ausgedacht: Die jeweiligen Vorsitzenden füllten Weckler einen kompletten Bollerwagen mit Geschenken, quasi als Wegzehrung für den Wahlkampf. Mit Schwartemagen, Handkäse und einem Fässchen Bier aus einer Friedberger Privat-Brauerei als Wegzehrung soll es am 4. oder in der Stichwahl am 18. März 2018 dann klappen.

Quelle: wetterauer-zeitung.de

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