(jh) Der erste Stammtisch der Frauen Union Wetterau fand mit Hilfe von Daniela Vogler, Ortsvorsteherin und Mitglied in der Gemeindevertretung von Altenstadt, im Restaurant Al Cavallino in Florstadt statt. Der Vorstand der FU hatte dazu den Leiter des Staatlichen Schulamtes Frankfurt und zukünftigen Ersten Kreisbeigeordneten, Jan Weckler aus Ober-Mörlen eingeladen. Weckler berichtete zunächst über die Schulsituation in Hessen allgemein. Insgesamt würden im Laufe der Legislaturperiode rund 2.500 neue Lehrerstellen durch die Landesregierung geschaffen. Bei den Ganztagsangeboten gebe es verschiedene Alternativen, die das Land anbiete. Wichtig sei, dass das Angebot bedarfsorientiert ausgebaut werde. Eine Schulgemeinde müsse abwägen, ob sie dabei auch den Weg zu einer gebundenen Ganztagsschule gehen wolle, bei der verpflichtender Unterricht bis in den späten Nachmittag vorgeschrieben sei. Grundsätzlich sollte aber ein Betreuungsrahmen an jeder Schule vorgehalten werden. Je nach Lebensauffassung und familiärer Organisation müsse jede Familie selbst entscheiden können, was für ihr Kind in Frage komme, so Weckler.

In der an diesem Tage abgegebenen Regierungserklärung des Hessischen Kultusministers werde auch darauf hingewiesen, dass man gut ausgebildete Lehrer brauche, um aktuellen Herausforderungen wie der Inklusion oder der Flüchtlingsbeschulung gerecht zu werden. Weckler wies darauf hin, dass es für die Beschulung von Migranten bereits vor der Flüchtlingskrise gute Strukturen in Hessen gegeben habe, auf die man im vergangenen Jahr aufbauen konnte. Dennoch werde die Integration eine Mammutaufgabe werden. „Das wird eine Generationenaufgabe sein, um eine nachhaltige Integration in unsere Gesellschaft zu erreichen“, so Weckler.

Beim Thema Inklusion bekannte Weckler, dass er kein Inklusionsfanatiker sei. Dennoch müsse die Teilhabe behinderter Menschen in unserer Gesellschaft weiter befördert werden. Ziel müsse es letztlich sein, dass gerade Kinder und Jugendliche mit Handycaps durch Schule so auf das Leben vorbereitet werden, dass sie eigenverantwortlich und mit möglichst wenigen Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Das Schulgesetz biete hier die Wahlfreiheit für den Besuch einer Regelschule oder einer Förderschule. Über die Modellregion Inklusion in der Wetterau ständen den Regelschulen deutlich mehr Ressourcen für den inklusiven Unterricht zur Verfügung als in anderen Regionen. Natürlich sei der Prozess nicht immer einfach. Lehrkräfte fühlten sich teilweise alleine gelassen. Hier müsse weiter angesetzt werden. Projekte wie so genannte Korridorklassen, bei denen besonders verhaltensauffällige Schüler aus der Regelklasse herausgenommen werden könnten, müssten weiterentwickelt werden.

Insgesamt würden in Hessen derzeit rund 7.900 Schüler mit festgestelltem Förderbedarf inklusiv beschult, bei rund 30.000 Schülern seien vorbeugende Maßnahmen durch Beratung und Förderung ausreichend. Bei Schulum- und neubauten würde die Inklusion zum Beispiel durch Planung von Differenzierungsräumen und anderen Maßnahmen immer mitgedacht.

Die Vorsitzende der Frauen Union Wetterau, Jutta Heck, bedankte sich bei Jan Weckler für den informativen Vortrag und die angeregte Diskussion, die man auch bei künftigen Stammtischen gerne fortsetzen wolle.

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