(jh) Während eines Gespräches in der Beratungs- und Interventionsstelle für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Kinder des Vereins „Frauen helfen Frauen“ in Friedberg erhielten die Mitglieder des Vorstandes der Wetterauer Frauen Union von Ilona Geupel und Heike Lüders viele wissenswerte Informationen über „Wege aus der Gewalt“. Mit dem seit dem 1. Januar 2002 in Kraft getretenen Gewaltschutz-gesetz, das besagt, dass nicht mehr die Opfer von Gewalt, sondern die Täter die Wohnung verlassen müssen, werden die Rechte und Schutzmöglichkeiten von betroffenen Frauen gestärkt.

Nicht immer wissen die Betroffen, wie sie die Gewaltsituation beenden können. „Sie sind sehr verängstigt und oftmals total hilflos, weil der Partner sie von allem ferngehalten und eingeschüchtert hat“, so Heike Lüders.

Hilfe erhalten sie in der Friedberger Beratungs- und Interventionsstelle. Fachkräfte unterstützen die Hilfesuchenden bei der Wahrnehmung ihrer Rechte. Hier werden alle Frauen unabhängig von ihrer Herkunft und Religion sowie ihrem Aufenthaltsstatus kostenlos beraten, wie z.B. bei der Zahlung von Unterhaltsvorschuss, Kindergeld, Besuch des Jobcenters oder Bankgeschäften.

Das Angebot der Beratung reicht von der Klärung der persönlichen Situation, über Informationen zu rechtlichen Fragen im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes, Schutzanordnungen, Wohnungsüberlassung, Sorge- und Umgangsrecht, Unterstützungen beim Ausfüllen von Anträgen, sowie Begleitung bei der Antragsstellung bei Gericht bis hin zur Verweisung an spezielle Beratungsstellen, Fachdienste und Sozialbehörden.

„Der Verein Frauen helfen Frauen e.V.“ unterhält seit vielen Jahren ein Frauenhaus, dem die Beratungsstelle vorgeschaltet ist. Im Frauenhaus finden die Betroffenen, auch mit ihren Kindern, Unterschlupf. Manchmal werden die Frauen direkt von der Beratungsstelle dorthin vermittelt, im schlimmsten Fall bringt die Polizei sie nach häuslicher Gewalt durch den Partner dorthin“, so Ilona Geupel. Mitunter werden die Frauen auch außerhalb des Kreises in einem Frauenhaus untergebracht, falls der Wohnort zu nahe liegt und die Gefahr besteht, dass man sie dort aufspüren kann. Im Frauenhaus treffen sie auf andere Frauen, die Gleiches oder Ähnliches erlebt haben und können hier über ihre negativen Erlebnisse reden.

Nicht nur deutsche Frauen, auch Frauen mit Migrationshintergrund und Asyl-bewerberinnen suchen Hilfe in der Beratungsstelle oder im Frauenhaus. „Wir sind immer froh, wenn wir einer Frau soweit geholfen haben, dass sie ihr Leben alleine meistern kann“, so Ilona Geupel“, doch bis dahin ist es oftmals ein langer Weg.“

Bei jeder Frau sieht der Weg anders aus. Sie entscheidet selbst, wie lange sie den Schutz des Frauenhauses in Anspruch nehmen will und wie ihr Leben in Zukunft aussehen soll. Die Frauen halten sich unter Umständen zwischen drei Monaten und einem Jahr im Frauenhaus auf. Es kommt immer wieder vor, dass Frauen nach Hause zurückkehren. Meistens geschieht dies, wenn die Kinder noch klein sind. Die Frauen sind dann eher bereit, die Gewalt zu ertragen, um die Familie aufrecht zu erhalten.

Bei vielen von Gewalt betroffenen Frauen dauert es lange bis sie den Schritt wagen und sich endgültig aus der misslichen Lage befreien. Doch wenn sie den Entschluss gefasst haben, erhalten sie hier Hilfe und haben die Möglichkeit, Wünsche und Bedürfnisse neu zu entdecken, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und neue Lebensperspektiven zu entdecken, so die Mitarbeiterinnen des Vereins „Frauen helfen Frauen e.V.“.

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