(jh) Nachdem das Thema „Die Frau im Islam“ bei dem zweiten Stammtisch der Wetterauer Frauen Union im November letzten Jahres so gut angenommen worden war, hat man zum dritten Treffen im Februar das Thema „Die Frau im Christentum“ gewählt. Dazu wurde Tobias Utter MdL, Präses des Evangelischen Dekanats Wetterau eingeladen, der vor zahlreich erschienen Frauen im „Hüttchen“ von Friedberg sehr kurzweilig referierte. Besonders freute sich der Vorstand der FU über die Anwesenheit mehrerer Damen von der Ahmadiya Gemeinde aus Florstadt, mit der die FU Wetterau einen regen Kontakt pflegt.

Tobias Utter fragte, „Was sagt die Bibel bzw. das Neue Testament zu den Frauen?“ Er ging auf die Schöpfungsgeschichte im 1. und 2. Buch Mose ein, die unterschiedliche Sichtweisen zu der Entstehung der Frau wiedergeben. Während im Ersten Buch Mose im ersten Kapitel beschrieben wird, dass Gott sie zu seinem Bilde als Mann und Frau schuf, also als zwei selbständige Wesen, die gemeinsam Mensch sind, wird im zweiten Kapitle beschrieben, dass Gott die Frau aus einer Rippe des Mannes schuf. Der Name Gottes lässt sich weder zu Mann noch Frau zuordnen, sagte Utter. Die allgemeine Auffassung, dass es sich bei Gott um einen Mann handelt, ist nicht belegt.

Die Frauen um Jesu spielten eine große Rolle, wie z.B. Maria, die ihm zuhörte. So waren es, nach allen Berichten, auch die Frauen, die die Auferstehung von Jesu als erste entdeckten, erläuterte Utter.

Anhand von mehreren Bibelstellen zeigte Utter auf, wie sich die Stellung der Frau im Christentum immer wieder durch die Geschichte und die damit einhergehenden kulturellen Entwicklungen, die zudem mehrere Reformen ausgelöst haben, verändert hat.

Während zu Beginn des Christentums die Frau eine hohe Stellung innehatte, änderte sich das bereits gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus, als die Christen verfolgt wurden. Man passte sich dem gesellschaftlichen Rollenbild an, um weitere Konflikte zu vermeiden. Utter verwies in diesem Zusammenhang auf den 1. Korintherbrief, indem es sowohl den Hinweis gibt, dass Frauen im Gottesdienst Beten und Predigen, doch anderseits betont wird, dass sie in der Öffentlichkeit nicht reden sollen.

Kirchliche Ämter wurden im Mittelalter ausschließlich von Männern ausgeübt. Die einzige Ausnahme waren Leitungsfunktionen in Nonnenklöstern.

Mit der Reformation wurden die Frauen zuerst nur sehr indirekt aufgewertet. Die Pfarrfrau als wichtige Stütze des evangelischen Pfarrhauses gewann an gesellschaftlichem Ansehen.

Doch erst in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts konnten Frauen in der Evangelischen Kirche selbst Pfarrerin werden, wurden aber zunächst von der Kirche aufgefordert, nicht zu heiraten oder Kinder zu bekommen. Die Gleichwertigkeit von Mann und Frau war von Anfang an in den Lehren des Urchristentums angelegt, wurden aber durch das kulturelle Umfeld überlagert. Der Prozess der Emanzipation der Frau im Christentum ist trotz zahlreicher Fortschritte bis heute noch nicht beendet, erklärte er abschließend.

Gespannt verfolgten die Teilnehmerinnen die Erläuterungen von Tobias Utter MdL, der zum Abschluss mit viel Beifall und einem großen Lob verabschiedet wurde.

Zu dem Thema die Frauen in der Religion sollen weitere Vorträge in der Frauen Union Wetterau erfolgen.

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